Wenn der Saft ausgeht

Es hätte ein ganz entspannter Samstag werden können. Wurde es aber nicht. War es Pech, Blödheit oder eine Mischung aus beidem? Jedenfalls bekamen Caro und ich das große Zittern. Das lag einerseits an der eisigen Kälte. Das lag aber auch daran, dass uns beiden beinahe der Saft ausging. Genauer gesagt: Meinem Gefährt.

Von Steffen Reith

Wir hatten einen schönen Termin in Gießen. Nadine Rademann hatte zur Eröffnung ihrer Praxis geladen. Und Caro und ich waren eingeladen. Denn wir haben der Internistin die Homepage gebaut, das Logo entwickelt und auch den Rest der Außendarstellung übernommen. Ja, da schaust du, liebe ständig wachsende Fangemeinde. Kundschaft in Gießen. Wir kommen ganz schön rum.

Ich bin ja begeisterter E-Autofahrer. Das ist umweltfreundlich und praktisch. Besonders dann, wenn man zuhause laden kann. Blöd wird es nur, wenn man längere Strecken absolvieren muss. Dass es aber eng wird bei Kerzell-Neuhof-Gießen und zurück: Damit hätte wohl niemand gerechnet. Leider war es so.

Klar, im Winter hat ein E-Auto weniger Reichweite. Klar: Frieren will man trotzdem nicht. Tatsächlich bemerkte ich erst zum Start des Rückweges, dass es möglicherweise eng werden könnte. Ich fuhr schon langsamer, machte das Radio aus und hoffte darauf, dass es bis nach Kerzell reicht. Aber es wurde immer enger. Deshalb die Entscheidung im Kollegenkreis. Wir fahren bei Fulda-Nord raus und laden ein wenig. Ob wir ne halbe Stunde früher oder später daheim landen, war uns egal. Hauptsache, nicht liegenbleiben.

Das Drama an der Raste verkürze ich jetzt. Jedenfalls tat die Ladestation nicht das, was sie sollte. Sprich: Sie lud nicht. Mehrere Passanten gaben uns gute Ratschläge. Doch der klügste Hinweis kam von dem Mann an der Hotline: „Ihre Automarke wird von der ladenden Gesellschaft nicht unterstützt.“ Da muss man erstmal drauf kommen. Mittlerweile hatten wir schon steife Finger, weil es halt saukalt war. Der Mann an der Hotline wollte uns gerade noch einen Rettungsanker hinwerfen und erklären, wie man anhand eines QR-Codes vielleicht doch noch laden könne. Doch die Akkuschwindsucht war an diesem Tag ansteckend. Denn mitten in der Bschreibung ging auch der Saft meines Handys aus.

Caro konnte sich nicht einloggen, und so blieb nur eine Option übrig: Augen zu und durch. Ins Auto rein und heim. Strom hatten wir laut Anzeige noch für neun Kilometer, bis Kerzell waren es aber mindestens noch elf. Diesen Nervenkitzel braucht kein Mensch. Schon gar nicht Leute in meinem Alter.

Wir tuckerten gen Heimat und schauten ängstlich auf die Amaturen. Und tatsächlich schafften wir es in den Reithschen Hof mit einem Prozent Restakku. Caro hatte schon vorsorglich ihren Daniel angerufen, damit er sie abholt.

Ich schleppte mich rein, kühlte mich runter beziehungsweise wärmte mich auf, legte mich auf die Couch und schlief ein. Ich denke, mir war der Saft ausgegangen.

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