Schluss machen ist nie einfach: mit der Freundin, mit dem Rauchen, mit lustig. Ich hab’s trotzdem gemacht, liebe ständig wachsende Fangemeinde.

Von Nico Bensing

„Es liegt nicht an dir, sondern an mir.“ Wer diesen Satz hört, der weiß: Hier läuft etwas gehörig schief, und gleich tut’s weh.

Auch ich habe diesen Satz gesagt: und zwar zu meinem Lieblingssport – dem Fußball.

Ich hab Schluss gemacht. Am vergangenen Wochenende. Mit einer Niederlage. Und dem Abstieg aus der Gruppenliga. Trauriger geht’s eigentlich nicht.

Ach, Moment: Unser Spielertrainer hat ebenfalls Schluss gemacht – er wird künftig nur noch als Trainer arbeiten und selbst nicht mehr spielen. Auch er hat also mit einer Niederlage aufgehört. Und mit dem Abstieg. Obendrein hat er bei seinem letzten Spiel sogar noch einen Elfer verschossen. Trauriger geht’s nun wirklich nicht.

Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu mir und meinem Leid.

Das Verrückte am Schluss machen ist ja: Es tut immer auch demjenigen weh, der den Schlussstrich zieht. Ich bin aktuell sehr melancholisch und trübsinnig. Dabei ist es für mich eigentlich nichts Neues: Als ich dem Fußball das erste Mal den Rücken kehrte, war ich grade mal 19 Jahre alt – und ging in die große Welt, für ein Jahr nach Neuseeland. Beim damals letzten Spiel hing ein Banner am Zaun. Darauf stand geschrieben: Junge, komm bald wieder!

Das habe ich mir zu Herzen genommen: Nachdem ich wieder in Deutschland gelandet war, samstags, kickte ich direkt wieder, sonntags.

Das ist jetzt anders: Der Junge kommt nicht wieder. Er hängt seine Schuhe an den Nagel.

Fassen wir deshalb zum Ende der Karriere einmal die Fakten zusammen: Ich hatte eine tolle Zeit mit insgesamt vier Aufstiegsfeiern – und einer Abstiegsparty. Ich bin jetzt Mitte 30. Und da ich kein Torwart bin, ist das doch ein gutes Alter, um aufzuhören.

Manchmal frage ich mich: Mache ich wirklich Schluss, weil ich mich vom Fußball trennen möchte? Oder war es eigentlich der Fußball, der sich schon lange von mir gelöst hat?

Denn mir ist aufgefallen: Der Fußball hat sich verändert. Er ist schneller geworden. Fast zu schnell, wenn ihr mich fragt. Ein Spiel muss jetzt anscheinend auch deutlich länger als 90 Minuten dauern, denn dafür reichte meine Puste eigentlich immer aus. Und: Er schmerzt neuerdings mehr, und zwar jeden verdammten Montag.

Deshalb stelle ich fest: Es liegt nicht an dir, lieber Fußball, sondern an mir. Alles hat seine Zeit – und die des Kickens ist jetzt vorbei. Ich bin zu alt.

Das habe ich glücklicherweise erkannt. Und auch wenn es schmerzt: Ich freue mich schon jetzt auf das, was alles kommt. Im gesetzten Alter.

Schließlich habe ich ja noch andere Hobbys.

Fußball gucken zum Beispiel.

Und sollte ich wirklich mal nichts mit mir anzufangen wissen, dann frag ich einfach meinen Kollegen Steffen. Der weiß, was man im gesetzten Alter so alles machen kann. Der ist ja da ja schon sehr, sehr lange drin.

2 Kommentare
  • Was ein Abgang ! Das Alter spielt doch keine Rolle oder täusche ich mich mit meinen 40 Jahren als aktiver Spielertrainer 😀

    Wünsche dir alles gute für die Zukunft,leider war es uns nicht vergönnt nochmal gemeinsam oder gegeneinander auf dem Platz zu stehen !

    Bis dann

    • Ja, du hast ja auch einen Körper wie ein 18-Järhiger. 😉

      Danke dir! Das bietet mir natürlich die Möglichkeit, mal bei dir zuzuschauen.

      Wir sehen uns!

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