Corona-Gedanken, Teil III

Es gibt derzeit nur ein einziges Thema, liebe ständig wachsende Fangemeinde. Kein Wunder, dass wir jetzt bereits zum dritten Mal in Folge über Corona nachdenken. Diesmal aber etwas anders, denn: Irgendwann wird es vorbei sein.

Von Nico Bensing

Wir sitzen im Gedankenturm und überlegen, wie wir in diesen Zeiten weiterhin Geld verdienen können. „1,50-Meter-Zollstöcke“, ruft Steffen plötzlich. „Wir entwickeln 1,50-Meter-Zollstöcke, mit denen man den exakten Abstand zueinander messen kann.“

„Ähm, okay“, antworte ich.

„Und wir drucken unser Logo drauf. Perfekt“, sagt Steffen. Dann gibt er mir den Auftrag, mal einen Prototypen anzufertigen. Wer soll es denn sonst machen? Er hält mir einen Zollstock und eine Handsäge hin. Und während ich am Prototypen arbeite, schaltet Steffen den Fernseher ein.

„Das ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn just in diesem Moment auf ntv. Das klingt übel. Die Stimmung ist düster, und zwar überall: Die Aktienmärkte brechen ein, Bekannte und Freunde sorgen sich um die Zukunft, die Einschläge kommen immer näher. 

Ich befürchte fast: Am Ende wird jeder über einen Verlust aus dem Bekanntenkreis berichten können. Denn Fakt ist: Corona tötet.

Und doch: Irgendwann wird es vorbei sein.

Und dann? Dann wird alles anders sein – hier im Gedankenturm, in der Stadt, im Land und bestimmt auch auf der ganzen Welt. Die Frage ist nur: Wie wird es sein? 

Vielleicht ja so: Wir telefonieren jetzt viel öfter mit unseren Freunden, die wir sonst so selten sehen würden. Wir sagen einander „Bleib‘ gesund“ – und meinen das wirklich von Herzen so.

Wir passen weiterhin auf die Älteren in unserer Gesellschaft auf und gehen für sie einkaufen. Wir bleiben abends gern mal zuhause – und genießen die Zeit mit der Familie.

Wir brüllen nicht mehr „Hurensohn“ durchs Stadion, sondern feiern eine große Party. Denn wir haben gemerkt: Wirklich wichtig ist dieser ganze Fußball-Zirkus nicht.

Wir umarmen einander wieder total gerne. Wenn man das so lange nicht machen kann, weiß man es zu schätzen.

Wir können jetzt öfter im Homeoffice arbeiten. Selbst die Unternehmen, die ihren Angestellten die ganze Zeit nicht trauen konnten, haben gemerkt, dass es geht.

Wir gehen verstärkt regional einkaufen, weil wir kapiert haben, dass dort die Arbeitsplätze entstehen.

Und wir haben neue Superstars: Wissenschaftler sind jetzt Vorbilder, nicht irgendwelche Dschungelhelden oder Beautyprinzessinnen.

Ja, vielleicht steht neben Polio, Hepatitis, Pocken und Tollwut dann auch „Corona“ in unserem Impfpass. Aber wir wissen: Wir haben’s geschafft – so als ganze Menschheit, meine ich jetzt. Wir haben es geschafft und das Virus gemeinsam unter Kontrolle bekommen. Und jetzt packen wir das Klimaproblem an.

Ja, irgendwann wird es vorbei sein. Und das stimmt mich optimistisch. Dich hoffentlich auch, liebe ständig wachsende Fangemeinde. Und falls das immer noch nicht reicht, dann habe ich noch eine gute Nachricht für dich: Steffens Eltern haben ihre Testberichte bekommen – sie sind beide negativ.

Du siehst also: Es geht aufwärts. Irgendwann kannst du den 1,50-Meter-Zollstock mit „Bensing & Reith“-Branding sicher wieder wegpacken. Und bis dahin: Bleib‘ gesund!