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Eine sehr schlimme Stichverletzung und ihre Folgen

Liebe ständig wachsende Fangemeinde, ich bin wahrlich froh, wieder so weit hergestellt zu sein, dass ich diesen Text überhaupt schreiben kann. Nicht nur der neueste Blogbeitrag – nein, mein ganzes Leben stand auf der Kippe. Ich bin quasi dem Tod von der Schippe gesprungen. Beinahe hätte die Firma nicht mehr „Bensing & Reith“ sondern nur noch „Bensing &“ gehießen. Und noch immer laboriere ich an den Folgen der Stichverletzung. Noch immer bin nicht vollständig wieder hergestellt. Dabei ist die Übeltäterin bereits am vergangenen Sonntag über mich hergefallen. Ein echter Krimi, der sich zugetragen hat. Viel Spaß bei der Lektüre.

Von Steffen Reith

Viele, die mich kennen, werden sich fragen: „Der Steffen hat also nen Stich. Was ist daran neu?“ Immer diese Spötter. Verstehe gar nicht, wie man so sein kann. Nicht so mein Ding. Aber ist halt so.

Dafür habe ich auch unglaublich viel Mitgefühl erfahren, Mitleidsbekundungen und Genesungswünsche erhalten. Das baut auf, liebe ständig wachsende Fangemeinde! Daran merke ich, dass man manchen Menschen doch nicht egal ist.

Wer war denn nun das Ungeheuer, das mir am vergangenen Sonntag am Sportplatz in Friesenhausen nach dem Leben getrachtet hat? Ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannen: Im Lateinischen heißen sie Vespinae, in Mitteleuropa gibt es elf Sorten davon. Darunter die Faltenwespe, die Deutsche Wespe, die Hornisse und die Gemeine Wespe. In meinem Fall war es definitiv ein Exemplar der Gemeinen Wespe. Der ganz gemeinen Art sogar. Ich, der mit allen schimpfe, die nach diesen Tieren schlagen, musste mich eines Angriffs erwehren, den ich beinahe mit meinem Leben bezahlt hätte. Warum hat diese Kampfwespe mir das angetan? Wurde sie von jemandem geschickt? Oder hat ihr einfach meine Nase nicht gepasst? Wobei ich anfügen muss, dass es nicht meine Nase war, in die die Wespe ihren Stachel jagte. Dabei wäre dort recht viel Angriffsfläche gewesen. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich nicht näher nachdenken möchte.

Nein, die Wespe erwischte auf brutalste Art meinen linken Unterarm. Und ich kann euch aus leidvoller Erfahrung sagen: Eine viel schlimmere Stelle hätte sich das Tier nicht aussuchen können.  Es war in der Tat so schmerzhaft, dass mir fast schwarz vor Augen wurde. Und meine Gattin verstärkte die Qualen noch, indem sie mir solch einen komischen Stick aus ihrer Handtasche auf die Stichstelle drückte, der den ganzen Arm heiß machte. Soll helfen bei Stichen. Vielleicht bei Mücken oder sonstwelchen harmlosen Tierchen. Bei mir machte das Ding alles noch viel schlimmer.

Nachdem ich mich einigermaßen berappelt hatte,  wankte ich zur Friesenhausener Würstchenbude und ließ mir dort von einer hilfsbereiten Dame Eis geben, um zu kühlen. Es ist kein Scherz, dass sie nach meiner Bitte um Eis erst mal in die Kiste nach einem Magnum griff.

Naja, jedenfalls legte ich mich am Sonntagabend dann nach längerer Kühlung und Salbe ins Bett und dachte, dass das Thema erledigt sei. Schließlich war ich auch im vergangenen Jahr gestochen worden, und nach zwei, drei Stunden hatte ich schon keine Schmerzen mehr.

Was folgte, war allerdings eine katastrophale Nacht und ein noch katastrophaler Montag. Der Arm war so stark angeschwollen, dass nach Ankunft zum Dienst im Gedankenturm gar der Kollege Bensing irgendeine Form von Mitgefühl an den Tag legte. „Was haste denn?“, fragte er von der Dachschräge aus, um sich dann wieder der Analyse der jüngsten Pleite seiner Fußballmannschaft zu widmen. Dieses 0:4 der Helvetia schmerzte mich ja auch. Aber mein Arm an diesem Tag halt noch mehr.

Wie ihr ja wisst, befindet sich unser Büro in meinem Elternhaus. Und bei meiner Mutter war ich genau richtig. Endlich jemand, der die Dimension meiner Verletzung erkannte. „Kind, wenn das nicht besser wird, dann musst du ins Krankenhaus. Oder wir holen einen Krankenwagen“, sagte sie, während sie mit neuem Kühlbeutel, Waschlappen und Zwiebel anrückte. In der Tat ist meine Mutter selbst Allergikerin und entsprechend vorsichtig. Und bei mir – ihrem eigen Fleisch und Blut – war natürlich besondere Sorgfalt geboten. Mein Wimmern angesichts der schlimmen Schmerzen rief jedenfalls unterschiedliche Reaktionen hervor. Meine Mutter fühlte mit, Kollege Bensing ging mein Gebaren auf den Sack.

Ähnlich war es abends wohl beim Besuch der Schwiegereltern. Meine Schwiegermutter übernahm nahtlos die Rolle von Mama, während der Rest der Familie sich ob meines Leidens entweder kaputtlachte oder verständnislos den Kopf schüttelte. Schwiegermama kam mit Franzbranntwein und fragte, ob nicht auch ein Schnaps für die Kehle helfen könnte. Guter Gedanke, aber ich lehnte ab. Was weiß ich denn, welche Reaktionen Alkohol in Kombination mit dem Stoff der Wespe hervorrufen? Jedenfalls legte sie mir einen Verband an, der so ausschaute, als hätte man mir gerade eine Unterarm-Prothese verpasst. Beim Abschied konnte ich natürlich nur mit rechts winken, links ging ja gar nichts. Schmerzen und Verband verhinderten dies.

Anschließend übten wir im Verwandtenkreis noch für eine Hochzeit. Ich stellte allerdings meine Teilnahme an dem lustigen Stückchen vehement in Frage. Schließlich konnte ich ja nicht sagen, wie die Stichverletzung sich weiter entwickelt. Oder ob ich gar noch lebe. Schließlich kann es auch noch spät zu weiteren Reaktionen kommen. Mitgefühl und Gelächter hielten sich in diesem Kreise die Waage. Mit einer Tube Kortison-Salbe auf dem Arm ging ich später dann ins Bett.

Die nächsten Tage erlegte ich mir selbst Schonung auf. Mittlerweile hatte sich mein Martyrium derart rumgesprochen, dass ich von Mitgliedern der Fangemeinde beim Gang durch Fulda gefragt wurde, ob ich denn schon über den Berg sei.

Von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag ging es mittlerweile jedenfalls dank Schonung, Salbe, Schmerzmittel etwas besser. Kürzlich war ich sogar schon wieder joggen. Aber ich war deutlich langsamer als sonst. Das Gift der Wespe hat mich wohl noch gelähmt.

Mittlerweile aber ist alles wieder gut. Denn Gottseidank bin ich kein Weichei, sondern ein harter, ja ein verdammt harter Kerl. Mich wirft ja so schnell nichts um. Wer weiß, wie das Drama sonst ausgegangen wäre?