Soll ich’s wirklich machen?

Heute möchte ich über Teilzeitrente sprechen, liebe ständig wachsende Fangemeinde. Ja, Steffen ist mal wieder im Urlaub. Aber darum soll es gar nicht gehen, das ist eine andere Geschichte. Nein, ich meine tatsächlich: mich. Allerdings nicht im beruflichen Leben, schließlich muss ja irgendjemand der Auszubildenden etwas beibringen, wenn der Kollege im Urlaub weilt. Ich spreche von meinem sportlichen Leben. Ja, du ahnst es: Es geht endlich mal wieder um Fußball bei Bensing & Reith.

Von Nico Bensing

Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein? Ja? Nein? Das habe ich mich in den vergangenen Wochen so einige Male gefragt. Zuletzt am Montag. Du erinnerst dich: Das ist jetzt neuerdings ein Feiertag, weil wir tags zuvor mit unserem Kandidaten Thomas Henfling die Bürgermeisterwahl in Sinntal gewonnen haben.

Der Montag hatte darüber hinaus noch mehr zu bieten: Es standen zahlreiche Fußballspiele in der Region an. Und ich? War mittendrin.

Aber der Reihe nach: Gegen zehn vor zwei stehe ich am Montag auf dem Sportplatz in Ulmbach circa auf Höhe der Mittellinie. Wir spielen gegen Rückers II. Ich beobachte, wie der Schiedsrichter pfeift und auf den Punkt zeigt. Elfmeter für uns. Meine Mannschaftskollegen winken mich herbei. „Nico, das ist deiner. Hau das Ding rein.“ Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein?

Natürlich habe ich mir den Ball geschnappt.

Wenn du jetzt überrascht bist, dass ich überhaupt in diese Verlegenheit gekommen bin, dann kann ich dich verstehen. Schließlich bin ich ja eigentlich mittlerweile raus aus dem Fußball-Geschäft. Aber so ganz dann halt doch nicht. In meiner Teilzeitrente springe ich ab und zu mal ein, wenn bei Kressenbach/Ulmbach Not am Mann ist.

Und dafür wollten mir meine Teamkameraden offensichtlich Danke sagen, als sie mich nach vorne riefen und mir den Ball in die Hand drückten.

Es war mein dritter Hilfseinsatz in der zweiten Mannschaft. Bei der Ersten habe ich bislang einmal ausgeholfen. Ein Tor ist mir dabei zwar noch nicht gelungen. Aber immerhin habe ich ein paar vorbereitet. Und wir haben drei der vier Spiele gewonnen sowie einmal Unentschieden gespielt. Das reicht mir.

Und jetzt habe ich ja außerdem die große Möglichkeit auf eine eigene Bude. Ich lege den Fußball also auf den Elfmeterpunkt.

Freilich ist es nicht so, dass ich jedes Mal in laute Jubelstürme ausgebrochen bin, wenn ich gefragt wurde, ob ich aushelfen kann. Ich habe mir dann immer die Frage gestellt: Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein? Schließlich war ja der Plan, das Rentnerdasein zu genießen. Anstatt sonntags auf irgendwelchen Sportplätzen rumzuspringen, möchte ich lieber mit Anni S. und Emmi durch Wald und Wiese hüpfen und das Leben genießen.

Aber es war ja diesmal gar nicht Sonntag, sondern Montag. Und ganz ehrlich: Das Kicken macht mir immer noch verdammt viel Spaß.

Der Schiri pfeift, ich puste noch mal durch, nehme drei Schritte Anlauf und … ballere die Kugel volle Kanne gegen den Pfosten. Klasse!

Letztlich haben wir 5:1 gegen Rückers II gewonnen. Der verschossene Elfmeter tat also hauptsächlich mir weh. Die Mannschaftskollegen hingegen hat es eher gefreut. Denen habe ich nämlich eine Kiste Bier ausgegeben – wie sich das gehört, wenn man ’nen Elfer verballert.

Und was heißt das für meine Zukunft als Teilzeitrentner? Nun, ja: Wenn ich wieder mal aushelfen muss, stelle ich mir einfach erneut die Frage: Soll ich’s wirklich machen – oder lass ich’s lieber sein? Und dann schnapp ich mir die Kugel und hau sie rein.

Sollte es da abermals nicht klappen, kann ich mir gewiss sein: Die Mannschaftskollegen werden sich wieder über ihre Kiste freuen. Und Kollege Steffen wird davon glücklicherweise wieder wieder nichts mitbekommen. Er weilt dann bestimmt im Urlaub.

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