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Tatort Fulda: Mit Nick B. und Mister Right

Wenn Bensing & Reith etwas nicht leiden können, dann sind es Ungerechtigkeit und Benachteiligung. So können wir zum Beispiel überhaupt nicht nachvollziehen, dass es Unternehmen gibt, die eine andere oder – noch schlimmer – gar keine Agentur in Anspruch nehmen. Aber das ist eine Frage der Zeit: Früher oder später kriegen wir sie alle. Zurzeit treibt uns etwas anderes um, was uns fast dazu bringt, die höchste Palme der Welt zu erklimmen. Nachdem es nun Tatort-Krimis aus den tiefsten Provinzen Deutschlands gibt, hat der Hessische Rundfunk entschieden, dass der nächste Krimi aus unserem Lieblings-Bundesland in Kassel spielen wird. In Kassel? Die haben sie doch nicht alle.

Von Steffen Reith

Deshalb haben Nico und ich uns hingesetzt und mal ein Drehbuch verfasst. Dreimal dürft ihr raten, wo der spannende Krimi spielt. Richtig, liebe ständig wachsende Fangemeinde: In Hessens Metropole schlechthin. In Fulda, Nebenkriegsschauplatz (das Wort wollte ich schon immer mal verwenden) ist Schlüchtern. Dort sind die Polizisten aufgrund der zahlreichen Verbrechen derart überfordert, dass sie kürzlich vor lauter Verzweiflung schon die Flaggen falsch rum aufgehängt haben. Das war ein Hilferuf, liebe Fans und Faninnen! Da war keine weiße Flagge zur Kapitulation da, deshalb hingen sie falsch rum. Logo!

Viel können wir aus dem Drehbuch nicht verraten, sonst guckt ja keiner mehr den Krimi. Aber natürlich wollen wir ein wenig Werbung machen, deshalb der Inhalt in kürzester Kurzform. Der Verantwortliche des Hessischen Rundfunks für die Tatort-Krimis fährt mit dem ICE nach Kassel, um die Dreharbeiten des aktuellen Tatorts zu überwachen. Am Bahnhof in Fulda ist eine fünfminütige Pause, die der HR-Mann nutzt, um eine Zigarette am Bahnsteig zu rauchen. Von hinten nähert sich eine Person, schlägt dem Mann mit der drei Kilo schweren Samstag-Ausgabe der Fuldaer Zeitung auf den Kopf. Das Opfer kommt zu Fall und stürzt unglücklich ins Bett von Gleis eins. Und just in diesem Moment startet der Zug Richtung Gersfeld, Rhönkutsche genannt. Was dann geschieht, kann man sich ausmalen und soll hier nicht näher geschildert werden. Was das mit Schlüchtern zu tun hat? Nunja, es stellt sich später bei den Ermittlungen heraus, dass die Tatwaffe gar nicht die Fuldaer Zeitung war. Es war das Schlüchterner Pendant: die Kinzigtal Nachrichten. Mehr soll nicht verraten werden.

Vielleicht noch ein Wort zu den Kommissaren: Chefermittler ist ein kleiner feingliedriger Mann mit starkem Bartwuchs, der sich Nick B. nennt. Mehr darf man im Film nicht über ihn erfahren, denn er hat eine schillernde Vergangenheit. Viele Jahre hat der Nick im Ausland gelebt, ehe er zurück ins Kinderzimmer des elterlichen Anwesens gekehrt ist. Die Gründe hierfür bleiben im Verborgenen. Großer Vorteil: Er kennt sich in Schlüchtern bestens aus. Noch größerer Vorteil: Er sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Und besonders ältere und richtig alte Frauen stehen auf ihn. Sie gestehen ihm alle möglichen Taten, obwohl sie gar nichts gemacht haben.

Auch Nicks Assistent verbirgt sich hinter einem Codenamen: Er nennt sich Mister Right (gesprochen: Reith) und verfügt über keine schillernde Vergangenheit. Er hat sich mit dem Namen einfach nur an seinem Boss  orientiert. Reith, äh Right, ist deutlich älter, ist groß, sieht saugut aus und hatte einst bei der Zusammenstellung des Teams gedacht, dass er der Chef ist. So kann man sich irren. Rights Vorteile: Er spricht breitestes Osthessisch und damit die Sprache der Menschen der Region. Und er kennt fast alle, weil er entweder mit ihnen verwandt ist oder schon mal irgendwo mit ihnen an der Theke gestanden hat.

Jedenfalls erleben die beiden in diesem Fall unglaubliche Abenteuer, mit denen selbst wir als Autoren nicht gerechnet haben. Auch Frauen spielen in diesem Krimi eine große Rolle. Das muss ich ja nach dem Fußballtext von vergangener Woche erwähnen.

Gegenwärtig sind wir mit der ARD und dem HR in Verhandlungen, wann denn der Film produziert wird. Von einem Sendetermin war noch gar nicht die Rede. Nun ja, wenn das Öffentlich-Rechtliche nicht will, dann fragen wir halt andere Sender. RTL 2 oder Tele 5 oder was weiß ich. Und wenn alle Stricke reißen, machen wir unser eigenes Fernsehprogramm. Hier im Gedankenturm setzen wir uns keine Grenzen. Freut euch, liebe ständig wachsende Fangemeinde! Auf den Tatort Fulda und was wir sonst noch alles produzieren, um die Ungerechtigkeiten dieser Welt zu beenden.

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