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Einsam, überflüssig, Philosoph

Die positive Nachricht: Meinem Auge geht es gut. Es heilt so vor sich hin. Das gibt mir wiederum Zeit und Freiheit, mich endlich ganz meinem Selbstmitleid hinzugeben. Eines habe ich dabei festgestellt: Einsamkeit und das Gefühl, überflüssig zu sein, machen philosophisch. 

Von Nico Bensing

Es waren turbulente Wochen für mich. Mehrere brutale Angriffe auf mein Augenlicht hatte ich zu überstehen – was mir übrigens erfolgreich gelang, liebe stetig wachsende Fangemeinde. Anschließend wurde ich sogar Zeuge echten Mitgefühls und herzlich umsorgt. So kann ich mich zum Beispiel seit einer knappen Woche zu den wenigen Männern zählen, die täglich eine Augentinktur benutzen. Aber: Es hat geholfen. Vielen Dank dafür, Corinna.

Außerdem habe ich von Kollege Karsten übermittelt bekommen, dass dieser meinen Blogtext aus der vergangenen Woche am Frühstückstisch vorgetragen hatte – und die Damen in seiner Familie immer ächzten und jaulten und ein bedröppeltes „Ohhhhhhh“ quer über den Tisch stöhnten, wenn ich im Text um Mitgefühl bat. Was ich anscheinend recht oft getan habe, wie mir Karsten versicherte. Aber: Auch das hat geholfen, kann ich euch heute zurufen, liebe Frühstückstisch-Damen. Danke!

Ich bin also körperlich wieder einigermaßen in der Reihe. Und es wird sich sogar um mich gekümmert. So weit, so fein. Und dennoch: Täglich bin ich allein im Gedankenturm. Steffen ist immer noch im Urlaub – und das schon seit mehr als fünf Werktagen. Keine Ahnung, ob er überhaupt jemals wiederkehrt. Die Stille hier ist nur schwer zu ertragen. Ich habe niemanden zum Reden. Steffens Bürostuhl gähnt mich leer an. Kein Wunder also, dass ich mich einsam fühle.

Und noch dazu überflüssig, denn: Jetzt gewinnt auch noch meine SG Helvetia Kerzell ohne mich. 3:1 sogar, der zweithöchste Saisonsieg (gut, wir haben insgesamt gerade mal drei Spiele gewonnen, trotzdem: der ZWEITHÖCHSTE Saisonsieg!) – und das ohne den Bensing. Das Schlimmste: Ich wurde nicht mal vermisst. Als ich in die Whatsapp-Gruppe unserer Mannschaft nach dem Tor zum 1:0 ein Jubel-Emoji schickte, fragten sich einige, wie es denn möglich sein kann, dass ich gerade in die Gruppe geschrieben habe, und merkten dann erst, dass ich ja gar nicht auf dem Platz stehe.

Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich mich einsam und überflüssig fühle?

Doch eines muss ich diesen jüngsten Erfahrungen lassen: Sie erden. Denn ganz schnell weiß man wieder: Niemand ist unersetzlich. Jeder muss irgendwann diese Welt verlassen – für wie wichtig er sich auch hält –, und dennoch dreht sie sich weiter. Einfach so. Scheinbar teilnahmslos. Ja, liebe Fangemeinde, das ist Fünfte-Klasse-Philosophie, und dennoch wahr und richtig.

Diese Erkenntnis wiederum kann einem eine ganz andere Sicht auf die Dinge offenbaren und dazu beitragen, dass man den ganzen Ärger des Alltags nicht mehr so ernst nimmt – denn meistens ist er das ja auch nicht. Ich also rufe deshalb jetzt und hier offiziell das „Ende der Ernsthaftigkeit“ aus und rate euch: Lasst es krachen, genießt das Wochenende, trinkt ein Glas Schampus, lacht, küsst, faulenzt, tollt herum, weint, wenn es sein muss, geht raus in die Welt oder ladet eure Freunde zum Tatortabend ein. Nehmt die Dinge und euch selbst nicht zu ernst. Und gesteht euch eine dicke Portion Spaß zu. Denn darum geht es doch im Leben. Und genauso mache ich das jetzt, liebe Fangemeinde: Feierabend.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!